Die Lörracher Landtagsabgeordnete Sarah Hagmann besuchte kürzlich das Baugebiet Kandergrund in Binzen, um sich über alternative Entwicklungskonzepte von Bau- und Wohngebieten zu informieren.
Im Gespräch mit Dominik Kiesewetter, dem Geschäftsführer des Gemeindeverwaltungsverbandes Vorderes Kandertal, und Andreas Schneucker, dem Bürgermeister von Binzen, wurde deutlich, dass es möglich ist, bei der Gemeindeentwicklung über den Wohnraum hinaus einen Mehrwert für die Gemeinschaft zu schaffen.

„Konzeptvergabe“ ist das Zauberwort, mit dem sich die Gemeinde Binzen Anfang der 2020er Jahre auf den Weg gemacht hat, um auf dem Baugebiet „Kandergrund“ mehr als nur neue Wohnungen für rund 300 Personen zu entwickeln. An der Stelle, an der sich früher der Sportplatz befand, soll in drei Etappen neben Wohnraum ebenso ein Mehrwert für die Gemeinschaft und für die Umwelt entstehen. Denn der Gemeinderat entscheidet über die Vergabe einzelner Baufelder nicht anhand des Preises – dieser steht schon fest –, sondern anhand eines von interessierten Investoren vorzulegenden Konzepts. Damit zählt nicht der höchste Preis, sondern der beste Beitrag für die Gemeinschaft – sei es durch inklusiven Wohnraum, eine möglichst ökologische Bauweise oder attraktive Angebote auf den gemeinschaftlich genutzten Flächen. Ein weiteres wichtiges Element ist, dass sich die Gemeinde ein Rückkaufrecht der Flächen in 80 Jahren vorenthält, um Spekulationen zu dämpfen und die Entwicklung der Flächen auch zukünftig mitgestalten zu können.
Deshalb ist es gut, dass die Landesregierung mit dem Abbau von Bürokratie und Bauvorschriften sowie der Einführung eines neuen ‚BW-Standards‘ einen Beitrag dazu leisten möchte, diese zu senken.
Die Idee lief gut: Nach Beginn der Planungen vor vier Jahren stehen im Hof 1, dem ersten Bauabschnitt, inzwischen zwei Gebäude, die sich durch ihre ökologische Holzbauweise auszeichnen. Aufgrund der Kostensteigerungen im Bau infolge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine seien die Interessenten für die Flächen zwar zurückgegangen. Bürgermeister Andreas Schneucker betont jedoch, dass er diese besondere Form der Vergabe auch heute noch genauso umsetzen würde. Aktuell befindet sich die Gemeinde in aktiven Verhandlungen mit Interessenten für die drei weiteren Baufenster. Wenn diese erste Etappe geschafft ist, wird die Gemeinde evaluieren, wie die angestoßenen Prozesse weiterentwickelt werden können.

Sarah Hagmann sagt: „Bauen entscheidet darüber, wie wir leben: ob wir bezahlbar wohnen, gute Schulen haben und unsere Städte funktionieren. Ein wichtiger Faktor hierbei sind die Baukosten. Deshalb ist es gut, dass die Landesregierung mit dem Abbau von Bürokratie und Bauvorschriften sowie der Einführung eines neuen ‚BW-Standards‘ einen Beitrag dazu leisten möchte, diese zu senken. Der BW-Standard soll Kommunen beispielsweise mehr Entscheidungsfreiheit bei Stellplätzen ermöglichen. Damit wird Bauen wieder bezahlbarer, planbarer und schneller. Auch beispielhafte Konzepte für die Gemeinschaft, wie hier in Binzen, können so weiter vorankommen.“
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